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Ursprünglich hatten wir ja vor, Deutschland zu erwandern. Geplant
war die Strecke: Kloster Steinfeld - Passau. Da PP (Pater Peter) dann nach
Mistelbach (Österreich) versetzt wurde, bot sich uns die Strecke Passau-Wien
an.
Von dem ursprünglichen Wunsch nach einer gemeinsamen Tippeltour bis zu der intensiven Planung gingen Jahre ins Land. Ende 1987 wurde dann der entscheidende Entschluß gefaßt: "Jetzt oder nie"! Nachdem der gemeinsame Urlaub festgelegt, von PP ausreichendes Prospektmaterial und entsprechende Lektüre beschafft worden waren, mußten wir feststellen, daß entweder unser Urlaub zu kurz, oder
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Kurz entschlossen sattelten wir auf Räder um. Als Termin für
die Abfahrt wurde der 3. Juli 1988 festgelegt. Die Etappenziele ließen
wir offen, da wir unsere Kondition nicht einschätzen konnten.
Erich machte vorher noch mit seiner Familie Urlaub am Plattensee
und wir mieteten in Rohrendorf eine Ferienwohnung an.
Für Peter liehen wir ein funkelnagelneues Fahhrad, damit er,
als "Ungeübter", alle auf uns zukommenden Strapazen unbeschadet überstehen
sollte. Erich und ich hatten unsere eigenen Räder mitgebracht.
Soweit die Vorgeschichte; und nun beginnt unser "Abenteuer"
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Der erste Start ist für mich direkt ein Fehlstart, denn nach
wenigen Metern muß ich bereits die Radtaschen neu befestigen; aber
es geht dann direkt weiter.
Unser Glücksgefühl kann sich keiner vorstellen; die Freude, daß diese gemeinsame Tour wirklich zustande gekommen ist, inst einfach nicht zu beschreiben. Die Räder laufen auf dem wunderschönen Treppelweg entlang der Donau wir von alleine, auch wenn wir PPeters Fahrradsattel mehrfach auf seine "Anatomie" umstellen müssen. |
Anschließend gehts mit der Rollfähre (Drahtseilbrücke) über die Donau nach Ottensheim. Dort sehen wir uns während der Durchfahrt nur kurz den Marktplatz mit seinen schönen Gebäuden und der Mariensäule an. PPeter verspricht uns zwar großzügigerweise einen Kaffee, drohender bzw leicht einsetzender Regen verhindert aber das Tun.
So kommen wir im Eiltempo nach Linz, das wir um 15.45 Uhr erreichen. Über die Nibelungenbrücke geht es in die Innenstadt, die wir "schiebend" durchqueren. Bis hierher hat alles wunderbar geklappt. Laut PPeters Aussage ist ein "Wölfchen" noch nicht einmal im Ansatz zu verspüren. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Da wir nicht erwartet haben, Linz so früh zu erreichen, beschließen wir noch, bis St Florian weiterzu"fahren". Diesen Abstecher unternehmen wir auf ausdrücklichen Wunsch unseres lieben Schwagers Rudi. Hätten wir die bevorstehenden Strapazen früher gekannt, hätten wir sicher eine Ausrede gefunden, diesen Trip zu unterlassen.
Es folgte der "Aufstieg" nach St Florian, im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Weg ist eine einzige Baustelle; riesige Steigungen sind zu überwinden;
Fahren ist unmöglich, dafür aber Schieben gefragt.
Müde und abgekämpft erreichen wir an unserem ersten Tag
gegen 17.45 Uhr St. Florian.
"Zum goldenen Pflug" kehren wir ein und erhalten ein Dreibettzimmer. Auf der Etage gibt es nur eine Damentoilette und eine nicht abschließbare Dusche. Aber das kann uns alles nicht aufregen, den sofort nach dem Duschen gingen wir uns erst einmal ein Bier trinken. Dabei können wir den Ausspruch bestätigen: Durst wird durch Bier erst schön.
Da unser Kunstbedürfnis noch nicht befriedigt ist, besichtigen
wir auch noch das Stift St Florian, bevor wir bei "Erzherzog Franz Ferdinant"
unser Abendmahl einnehmen.
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Da wir nicht mehr schlafen können, stehen wir bereits um sechs
Uhr auf und machen uns reisefertig. Um 7.45 Uhr ist alles verpackt, und
die Fahrt könnte losgehen, aber vorher machen wir noch einen Abstecher
ich die Kirche. (Wie sagte Erich später so schön: 6 Kirchen pro
Tag sind Pflicht, der Rest ist Kür). Bevor wir dann gegen acht Uhr
loslegen, muß PPeters Sattel noch einmal anatomisch angepaßt
werden.
Unser Weg führt uns wieder zurück nach Linz, da wir uns
das Städtchen etwas eingehender ansehen möchten. Auf der Fahrt
müssen wir zu unserem Erstaunen feststellen, daß es auch flachere
Strecken gibt, die man zwischen Linz und St Florian fahren kann.
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Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die wir besuchten:
Neuer Dom: Neugotischer Bau, 1862 -1924 nach den Plänen
des Kölner Dombaumeister Vinzenz Statz errichtet. Fassungsraum für
20.000 Personen, Turmhöhe 134m, in der Gruft befindet sich eine 12m
lange orientalische Krippe.
Landhaus: Sitz des Landeshauptmannes, Frührenaissancebau
mit drei Innenhöfen, Glanzstück ist der Arkadenhof mit dem "Planetenbrunnen"
von Peter Guet (1582)
Minoritenkirche: Geht auf ein im Jahre 1236 gegründetes
Kloster zurück, einschiffiges, langgestrecktes Kirchengebäude,
das im Stil des Rokoko ausgeschmückt ist.
Hauptplatz mit Dreifaltigkeitssäule und Rathaus: Platz
mitten im Herzen der Altstadt, 20 m hohe barocke Dreifaltigkeitssäule
aus weißem Salzburger Marmor (vollendet 1723). Am 12.03.38 verkündete
Adolf Hitler vom Balkon des Rathauses aus die Errichtung des Großdeutschen,
des "tausendjährigen" Reiches.
Auf dem Hauptplatz müssen wir unseren Rundgang kurz unterbrechen, denn Erich hat endlich Gelegenheit, seine Liquiditätsprobleme zu beheben. Was ist geschehen? Schon gestern in Aschau, als Erich sein Mittagessen bezahlen wollte und seine Geldbörse öffnete, fiel er aus allen Wolken. Seine treusorgende Ehefrau, die ja immer auf Sparsamkeit bedacht ist, hatte ihm ganze 40 (in Worten: vierzig) Ö. Schillinge für eine Woche zur Verfügung gestellt. Zum Glück hat er ja uns, und so haben wir ihn bis heute mitversorgt. Als Erich dann aus der Bank kommt, läuten doch wahrhaftig für ihn die 11.00 Uhr - Glocken, und wir können endlich die Stadtbesichtigung fortsetzen.
Stadtpfarrkirche: 1286 wurde eine dreischiffige romanische Basilika errichtet, 1648 Neubau eines barocken dreischiffigen Langhauses, Wandgrabstein für Herz und Eingeweide Kaiser Friedrichs III.
Alter Dom: (Jesuitenkirche) Einschiffige Barockkirche mit seitlichen Kapellen und Emporen (1669 - 1678), Marmorhochaltar, Brucknerorgel.
Danach nehmen wir Abschied von Linz und fahren über die Nibelungenbrücke
nach Urfahr. Dort erreichen wir so gerade noch die12.00 Uhr - Bahn zum
Pöstlingsberg. Oben angekommen genießen wir die tolle Aussicht
auf Linz und die Alpen, aber leider auch die Chemiewerke Linz. Natürlich
darf auch die Besichtigung der barocken Wallfahrtskirche (1738 - 1748)
nicht fehlen.
Anschließend geht es mit der bereits 1898 eröffneten
Pöstlingsbergbahn, der steilsten Schienenbergbahn Europas (10,5%)
wieder zurück nach Urfahr. Gegen 13.00 Uhr erreichen wir dann wieder
den Donau-Radweg.
Am Pleschinger See finden wir zwar keine Muße, ein Bad zu nehmen,
da PPeter längere Zeit für Mauthausen vorgesehen hat und dort
evtl auch Jugendliche aus Mistelbach treffen möchte, dafür genehmigen
wir uns aber -Originalton Peter- ein Schmalspuressen: Omas Eintopf
ohne Geschmack, kleinen Salatteller bzw Wurstsalat, wobei laut PPeter das
Bier das Beste ist. Danach geht es zügig weiter nach Mauthausen.
Der Aufstieg zum KZ Mauthausen ist bei der Hitze und bei der Steigung
mörderisch. PPeter macht uns richtig Sorgen, wir fürchten um
seinen Kreislauf. Als wir endlich dann um 15.20 Uhr das KZ erreichen, sind
wir heilfroh. Schon von außen wirkt die Anlage unheimlich.
Wir mieten uns einen Kasettenrekorder und besichtigen die Anlage
mit ihren diversen Unterkünften und sonstigen Räumlichkeiten.
Wir sind erschüttert und brechen den Rundgang vorzeitig ab.
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Nach der Besichtigung der Ausstellung sehen wir uns auch noch die
Gedenkstätte mit den Denkmälern und Skulpturen der verschiedenen
Länder, sowie den Steinbruch mit der berüchtigten Treppe an.
Da die von PPeter erwarteten Jugendlichen nicht eingetroffen sind, verlassen wir, sehr beeindruckt, daß KZ Mauthausen gegen 17.00 Uhr. Die beim aufstieg verlorene Flüssigkeit muß unbedingt ersetzt werden, so daß wir in Mauthausen einkehren und das erste "Zipfer Bier" erhalten. PPeter ist immer noch von dem Aufstieg schwer mitgenommen,drängt aber auf zügige Weiterfahrt. |
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Als erstes besichtigen wir -natürlich- wieder die spätgotische Stadtkirche, bevor wir zum Schloß hinaufsteigen, um einen "Leckerbissen für Liebhaber altertümlicher Architektur" zu betrachten: den Renaissance - Arkadenhof, der wirklich sehenswert ist. Nachdem wir uns dann bei einem Zipfer Bier regeneriert haben, genießen wir eine Führung im alten Stadttheater. Dieses 1563 als Rathaus errichtete Gebäude, das dann als Getreidespeicher genutzt wurde, hatman 1790 zu einem Theater umgebaut. Dieses Rokokotheater en miniature ist einmalig in Europa. Außer von den 165 Zuschauerplätzen konnte man sogar vom Stadtgefängnis und selbst vom stillen Örtchen aus das Theatergeschehen auf der Bühne verfolgen. |
| Dabei wollen wir auch den Eltern eine Karte schicken, denn
drei ihrer Söhne mit einer Spring-Prozession zu einem Wallfahrtsort,
das macht sich immer gut. Da Peter und ich zu geschafft sind, muß
sich der Jüngste für diese "Arbeit" zur Verfügung stellen.
Danach erfolgt der Abstieg.
In Marbach finden wir nach kurzer Suche ein "genehmes Lokal" und speisen vorzüglich. Danach sind wir stehend bzw sitzend KO. PPeter würde am liebsten sofort ins Bett gehen, aber es sind noch keine 20.00 Uhr. So bleiben wir noch etwas sitzen und genießen das wohlige Gefühl der Sättigung und Ruhe. Auf dem anschließenden Heimweg setzen wir uns an die Donau und warten auf Erfrischung, aber selbst der Wind ist warm. Vor lauter "Kühlungsbedürfnis" baden PPeter und ich unsere Füße in der Donau. Nach dem Genuß eines Eises sitzen wir drei, jeder mit einer Bierflasche bewaffnet, auf einem Bootssteg an der Donau und genießen den lauen Sommerabend. . |
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Natürlich wollten wir das 1089 gegründete Stift Melk besichtigen,
als wir um 9.30 Uhr dort ankommen. Leider -Gott sei Dank- beginnt die Führung
erst in einer Stunde, so daß uns noch die Möglichkeit bleibt
..... vorher ein Bier zu trinken.
Das Stift Melk ist nicht nur das größte Kloster Niederösterreichs, sondern auch das bedeutenste sakrale Bauwerk des Barock in Europa. Die Sehenswürdigkeiten sind unbeschreiblich. Als wir, fast erschlagen von so viel alter Kunst, durch den Torbogen des Stiftes in die heutige Wirklichkeit zurücktreten wollen, fällt uns ein leerstehender Sockel auf. Sofort sind wir uns darüber einig, daß dies ein zukunftsweisendes Zeichen ist. Nicht nur dem Vergangenen soll unser Interesse gelten; auch für das Kommende sollen wir bereit sein. Ohne lange Überlegungen steht für uns fest, daß dieser Platz nur für unseren Mitbruder Pater Peter bestimmt sein kann. In vorauseilendem Gehorsam stellen wir ihn sofort als "Säulenheiligen" auf. |
| In Klosterneuburg lassen wir die Räder stehen und machen uns
zu Fuß auf den Weg zum Stift. Der Aufstieg ist beschwerlich.
Vom Stift begekommen wir auch nicht allzuviel mit, aber nach großen Umwegen erreichen wir den Stiftskeller. So ist es dann so weit, daß wir um 14.40 Uhr bei einem kühlen Bier im Stiftsgarten von Klosterneuberg das 1. offizielle Ende unserer Tour feierlich begehen. Nach dem 2. Bier und einer kurzen Besichtigung der Kirche mit dem Verduner Altar erfolgt ein schneller Abstieg und dann heißt es: Die letzten Kräfte mobilisieren und "Auf nach Wien". Nach kurzer Fahrt durch das Städtchen Klosterneuburg erreichen wir um 15.45 Uhr das Ortschild Wien. Vor lauter Begeisterung bremse ich so scharf, daß es fast zu einem Massensturz kommt. Dann folgt natürlich eine große Fotorast. |
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