EIN TRAUM WIRD WAHR

Reisebericht der Donau - Radtour Schlögen-Wien von Johannes Daubner

Reisetagebuch: Pater Peter mit Bruder Erich und Bruder Johannes auf Radtour

Ursprünglich hatten wir ja vor, Deutschland zu erwandern. Geplant war die Strecke: Kloster Steinfeld - Passau. Da PP (Pater Peter) dann nach Mistelbach (Österreich) versetzt wurde, bot sich uns die Strecke Passau-Wien an. 
Von dem ursprünglichen Wunsch nach einer gemeinsamen Tippeltour bis zu der intensiven Planung gingen Jahre ins Land. Ende 1987 wurde dann der entscheidende Entschluß gefaßt: "Jetzt oder nie"!

Nachdem der gemeinsame Urlaub festgelegt, von PP ausreichendes Prospektmaterial und entsprechende Lektüre beschafft worden waren, mußten wir feststellen, daß 

    entweder unser Urlaub zu kurz, oder 
    die Strecke zu lang war. 

Kurz entschlossen sattelten wir auf Räder um. Als Termin für die Abfahrt wurde der 3. Juli 1988 festgelegt. Die Etappenziele ließen wir offen, da wir unsere Kondition nicht einschätzen konnten.
Erich machte vorher noch mit seiner Familie Urlaub am Plattensee und wir mieteten in Rohrendorf eine Ferienwohnung an.
Für Peter liehen wir ein funkelnagelneues Fahhrad, damit er, als "Ungeübter", alle auf uns zukommenden Strapazen unbeschadet überstehen sollte. Erich und ich hatten unsere eigenen Räder mitgebracht.

Soweit die Vorgeschichte; und nun beginnt unser "Abenteuer"


02.07.88    Der Tag vor dem Start

Gegen 17.00 Uhr trifft Erich bei uns in Rohrendorf ein. Anschließend fuhren wir PPeter in Mistelbach abholen. Unterwegs erfuhren wir, daß PPeter zwar keine Krawatte, dafür aber Manschettenknöpfe eingepackt hat.
Beim Vortesten des geliehenen Fahrrades gab es schon die erste Verletzung. PPeter klemmt sich einen Finger ein. Aber das tut unser Vorfreude keinen Abbruch. Zur Einstimmung ging es abends noch einmal zum Heurigen. Im Hinblick auf die kommenden Anstrengungen wird es aber nicht sehr spät.

Erster Tag: Schlögen - St. Florian

Der erste Start ist für mich direkt ein Fehlstart, denn nach wenigen Metern muß ich bereits die Radtaschen neu befestigen; aber es geht dann direkt weiter. 
Unser Glücksgefühl kann sich keiner vorstellen; die Freude, daß diese gemeinsame Tour wirklich zustande gekommen ist, inst einfach nicht zu beschreiben. Die Räder laufen auf dem wunderschönen Treppelweg entlang der Donau wir von alleine, auch wenn wir PPeters Fahrradsattel mehrfach auf seine "Anatomie" umstellen müssen. 
Es ist herrlich, die Natur so pur genießen zu können.
Bis auf einige wenige Radfahrer haben wir den Weg für uns. An der Donaustufe Aschach bewundern wir das Absenken des Passagierschiffes "Passau" bevor wir in das herrliche Städtchen Aschach einfallen, um "endlich" ein bzw. zwei Bierchen zu trinken. Dazu gibt es zwei Debreziner und eine Salatplatte.
Eine Besichtigung der sehenswerten, 1490 erbauten Pfarrkirche darf nicht fehlen, vor allem weil sie meinem Namenspatron, dem Hl Johannes dem Täufer geweiht ist. Sehr interessant ist auch das "Kripperlboot", eine Reliefkrippe, die Weihnachten auf einem Boot darstellt.
Nach dieser körperlichen und geistigen Stärkung geht es, unterstützt von starkem Rückenwind sowie drohenden Wolken, blitzschnell nach Wilhering. Es klingt zwar unglaublich, aber das in Wilhering stattfindende Feuerwehrfest lassen wir links liegen. Dafür besichtigen wir eingehend das Zisterzienserstift, eine der  schönsten Rokokokokirchen Österreichs.

Anschließend gehts mit der Rollfähre (Drahtseilbrücke) über die Donau nach Ottensheim. Dort sehen wir uns während der Durchfahrt nur kurz den Marktplatz mit seinen schönen Gebäuden und der Mariensäule an. PPeter verspricht uns zwar großzügigerweise einen Kaffee, drohender bzw leicht einsetzender Regen verhindert aber das Tun.

So kommen wir im Eiltempo nach Linz, das wir um 15.45 Uhr erreichen. Über die Nibelungenbrücke geht es in die Innenstadt, die wir "schiebend" durchqueren. Bis hierher hat alles wunderbar geklappt. Laut PPeters Aussage ist ein "Wölfchen" noch nicht einmal im Ansatz zu verspüren. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Da wir nicht erwartet haben, Linz so früh zu erreichen, beschließen wir noch, bis St Florian weiterzu"fahren". Diesen Abstecher unternehmen wir auf ausdrücklichen Wunsch unseres lieben Schwagers Rudi. Hätten wir die bevorstehenden Strapazen früher gekannt, hätten wir sicher eine Ausrede gefunden, diesen Trip zu unterlassen.

Es folgte der "Aufstieg" nach St Florian, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Weg ist eine einzige Baustelle; riesige Steigungen sind zu überwinden; Fahren ist unmöglich, dafür aber Schieben gefragt.
Müde und abgekämpft erreichen wir an unserem ersten Tag gegen 17.45 Uhr St. Florian.

"Zum goldenen Pflug" kehren wir ein und erhalten ein Dreibettzimmer. Auf der Etage gibt es nur eine Damentoilette und eine nicht abschließbare Dusche. Aber das kann uns alles nicht aufregen, den sofort nach dem Duschen gingen wir uns erst einmal ein Bier trinken. Dabei können wir den Ausspruch bestätigen: Durst wird durch Bier erst schön.

Da unser Kunstbedürfnis noch nicht befriedigt ist, besichtigen wir auch noch das Stift St Florian, bevor wir bei "Erzherzog Franz Ferdinant" unser Abendmahl einnehmen.


Zweiter Tag: St. Florian - Wallsee

 
Da wir nicht mehr schlafen können, stehen wir bereits um sechs Uhr auf und machen uns reisefertig. Um 7.45 Uhr ist alles verpackt, und die Fahrt könnte losgehen, aber vorher machen wir noch einen Abstecher ich die Kirche. (Wie sagte Erich später so schön: 6 Kirchen pro Tag sind Pflicht, der Rest ist Kür). Bevor wir dann gegen acht Uhr loslegen, muß PPeters Sattel noch einmal anatomisch angepaßt werden. 

Unser Weg führt uns wieder zurück nach Linz, da wir uns das Städtchen etwas eingehender ansehen möchten. Auf der Fahrt müssen wir zu unserem Erstaunen feststellen, daß es auch flachere Strecken gibt, die man zwischen Linz und St Florian fahren kann. 
So erreichen wir schon nach einer Stunde die Stadt, sind aber dann fast eine halbe Stunde auf der suche nach einem Fahrradgeschäft, da Erich unbedingt einen Speichenspanner benötigt, um die 8 im Hinterrad seines Fahrrades zu reparieren.

Bevor wir uns dem Vergnügen einer Stadtbesichtigung hingeben, benötigen wir erst einmal einen Parkplatz für unsere Drahtesel mit Gepäck. "Nur allein aus diesem Grund" kehren wir also gegen zehn Uhr im "Bischofsgarten" (so heißt die Gaststätte mit Biergarten Ecke Landstraße/Bischofsgasse wirklich) ein. Als Parkplatzgebühr sozusagen und natürlich auch zum Durstlöschen genehmigen wir uns jeder ein Bier.
Befreit von aller Last stürzen wir uns dann auf und in die historischen Bauten der oberösterreichischen Landeshauptstadt. In der sehenswerten Altstadt gibt es so viel zu entdecken, daß wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die wir besuchten:
Neuer Dom: Neugotischer Bau, 1862 -1924 nach den Plänen des Kölner Dombaumeister Vinzenz Statz errichtet. Fassungsraum für 20.000 Personen, Turmhöhe 134m, in der Gruft befindet sich eine 12m lange orientalische Krippe.
Landhaus: Sitz des Landeshauptmannes, Frührenaissancebau mit drei Innenhöfen, Glanzstück ist der Arkadenhof mit dem "Planetenbrunnen" von Peter Guet (1582)
Minoritenkirche: Geht auf ein im Jahre 1236 gegründetes Kloster zurück, einschiffiges, langgestrecktes Kirchengebäude, das im Stil des Rokoko ausgeschmückt ist.
Hauptplatz mit Dreifaltigkeitssäule und Rathaus: Platz mitten im Herzen der Altstadt, 20 m hohe barocke Dreifaltigkeitssäule aus weißem Salzburger Marmor (vollendet 1723). Am 12.03.38 verkündete Adolf Hitler vom Balkon des Rathauses aus die Errichtung des Großdeutschen, des "tausendjährigen" Reiches.

Auf dem Hauptplatz müssen wir unseren Rundgang kurz unterbrechen, denn Erich hat endlich Gelegenheit, seine Liquiditätsprobleme zu beheben. Was ist geschehen? Schon gestern in Aschau, als Erich sein Mittagessen bezahlen wollte und seine Geldbörse öffnete, fiel er aus allen Wolken. Seine treusorgende Ehefrau, die ja immer auf Sparsamkeit bedacht ist, hatte ihm ganze 40 (in Worten: vierzig) Ö. Schillinge für eine Woche zur Verfügung gestellt. Zum Glück hat er ja uns, und so haben wir ihn bis heute mitversorgt. Als Erich dann aus der Bank kommt,  läuten doch wahrhaftig für ihn die 11.00 Uhr - Glocken, und wir können endlich die Stadtbesichtigung fortsetzen.

Stadtpfarrkirche: 1286 wurde eine dreischiffige romanische Basilika errichtet, 1648 Neubau eines barocken dreischiffigen Langhauses, Wandgrabstein für Herz und Eingeweide Kaiser Friedrichs III.

Alter Dom: (Jesuitenkirche) Einschiffige Barockkirche mit seitlichen Kapellen und Emporen (1669 - 1678), Marmorhochaltar, Brucknerorgel.

Danach nehmen wir Abschied von Linz und fahren über die Nibelungenbrücke nach Urfahr. Dort erreichen wir so gerade noch die12.00 Uhr - Bahn zum Pöstlingsberg. Oben angekommen genießen wir die tolle Aussicht auf Linz und die Alpen, aber leider auch die Chemiewerke Linz. Natürlich darf auch die Besichtigung der barocken Wallfahrtskirche (1738 - 1748) nicht fehlen.
Anschließend geht es mit der bereits 1898 eröffneten Pöstlingsbergbahn, der steilsten Schienenbergbahn Europas (10,5%) wieder zurück nach Urfahr. Gegen 13.00 Uhr erreichen wir dann wieder den Donau-Radweg.

Am Pleschinger See finden wir zwar keine Muße, ein Bad zu nehmen, da PPeter längere Zeit für Mauthausen vorgesehen hat und dort evtl auch Jugendliche aus Mistelbach treffen möchte, dafür genehmigen wir uns aber -Originalton Peter- ein Schmalspuressen: Omas Eintopf ohne Geschmack, kleinen Salatteller bzw Wurstsalat, wobei laut PPeter das Bier das Beste ist. Danach geht es zügig weiter nach Mauthausen.
Der Aufstieg zum KZ Mauthausen ist bei der Hitze und bei der Steigung mörderisch. PPeter macht uns richtig Sorgen, wir fürchten um seinen Kreislauf. Als wir endlich dann um 15.20 Uhr das KZ erreichen, sind wir heilfroh. Schon von außen wirkt die Anlage unheimlich.
Wir mieten uns einen Kasettenrekorder und besichtigen die Anlage mit ihren diversen Unterkünften und sonstigen Räumlichkeiten. Wir sind erschüttert und brechen den Rundgang vorzeitig ab.
Nach der Besichtigung der Ausstellung sehen wir uns auch noch die Gedenkstätte mit den Denkmälern und Skulpturen der verschiedenen Länder, sowie den Steinbruch mit der berüchtigten Treppe an. 
Da die von PPeter erwarteten Jugendlichen nicht eingetroffen sind, verlassen wir, sehr beeindruckt, daß KZ Mauthausen gegen 17.00 Uhr. Die beim aufstieg verlorene Flüssigkeit muß unbedingt ersetzt werden, so daß wir in Mauthausen einkehren und das erste "Zipfer Bier" erhalten. PPeter ist immer noch von dem Aufstieg schwer mitgenommen,drängt aber auf zügige Weiterfahrt. 
Nachdem PPeter unterwegs Erich gebeten hat, seinen Sattel nochmals neu einzuzstellen, damit "die alten Druckstellen neu belegt werden" erreichen wir gegen 19.30 Uhr Wallsee. Schon an der zweiten Anlaufstelle haben wir Erfolg. Im Gasthof "Sengstbratl" gegenüber dem Rathaus erhalten wir eine Unterkunft.


Dritter Tag: Wallsee - Marbach

Mitten in der Nacht kommt PPeters erste Zeitansage: Wir haben jetzt 5 Minuten nach dreiviertel fünf. Um 6.40 Uhr hält er es nicht mehr aus und geht duschen. Kaum ist er im Badezimmer verschwunden, erscheint auch schon Erich reise- bzw frühstücksfertig. Notgedrungen mache ich mich dann auch langsam startklar. Erich geht in der Zwischenzeit noch einmal Speichen spannen.
Nach einem spartanischen Frühstück setzen wir gegen 8.00 Uhr unsere Radtour fort. Da das im Privatbesitz befindliche Schloß Wallsee der Habsburger nicht zu besichtigen ist, fahren wir zügig durch bis Ardagger, das wir gegen 9.00 Uhr erreichen.
Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir gegen dreiviertel zehn das "goldene Städtchen" Grein, das von dem Schloß Greinburg überragt wird. Der Stadtplatz mit seinen herrlichen Renaissance-, Barock- und Biedermeierhäuschen zeugt von dem frühen Wohlstand dieses Ortes.
Als erstes besichtigen wir -natürlich- wieder die spätgotische Stadtkirche, bevor wir zum Schloß hinaufsteigen, um einen "Leckerbissen für Liebhaber altertümlicher Architektur" zu betrachten: den Renaissance - Arkadenhof, der wirklich sehenswert ist. Nachdem wir uns dann bei einem Zipfer Bier regeneriert haben, genießen wir eine Führung im alten Stadttheater. Dieses 1563 als Rathaus errichtete Gebäude, das dann als Getreidespeicher genutzt wurde, hatman 1790 zu einem Theater umgebaut. Dieses Rokokotheater en miniature ist einmalig in Europa. Außer von den 165 Zuschauerplätzen konnte man sogar vom Stadtgefängnis und selbst vom stillen Örtchen aus das Theatergeschehen auf der Bühne verfolgen.
Vorbei am Greiner Strudel, der durch Sprengungen sowie Staustufen inzwischen entscharft ist, geht unsere Fahrt weiter nach St Nikola. Kurze Besichtigung der 1180 erbauten Schifferkirche, in der gerade Kinder zur Beichte gehen. Um 11.50 Uhr erreichen wir den Yachthafen Yspermündung und genehmigen uns ein Wieselburger Bier, da die Hitze unerträglich ist. Trotz Mittagzeit strampeln wir bis Persenbeug weiter. Schloß Persenbeug, auf einem Felsen über der Donau 1617 errichtet, ist im Privatbesitz der Habsburger und natürlich nicht zu besichtigen. Die Kirche ist ebenfalls geschlossen und ansprechende Eßlokale scheint es nicht zu geben.
All unsere Hoffnung setzen wir auf Ybbs, und dort haben wir sie dann begraben. Nachdem wir alle Straßen und Gassen durchfahren haben, besichtigen wir auch noch die Kirche und kehren dann, vor Hitze und Hunger total erschöpft, in einem Cafe mit Mahlzeiten ein.
Nach einem bescheidenen Essen und einem noch bescheideneren Bier radelten wir bei brütender Hitze weiter nach Säusenstein, besichtigten dort die auf dem Berg liegende Kirche und fahren weiter bis Krummnußbaum. An der Fähre müssen wir dann 25 Minuten bei unerträglicher Hitze warten, bevor wir dann zum anderen Donauufer nach Marbach übersetzen.
Nach kurzem Umschauen meinen wir, daß Richtige gefunden zu haben und kehren um 16.00 Uhr in einem Gasthof ein. Wir versorgen die Fahrräder, trinken ein Bier und beziehen unsere Zimmer; diesmal mit weniger Komfort, aber es muß reichen.
Die Wirtin stammt aus dem Ruhrgebiet und erzählt uns schon beim ersten Bier ihre ganze Lebensgeschichte. Unser Bedarf ist gedeckt.
Nachdem wir uns frischgemacht haben, kann uns nicht von einer "Fußwallfahrt" nach Maria Taferl abhalten. Dieser "Buß-Aufstieg" ist mörderisch und artet in eine Art Springprozession aus. Wir laufen bzw springen von Schatten zu Schatten und das bei der Hitze und der Steigung. Als wir oben ankommen, sind wir total erschöpft. Natürlich sehen wir uns die schöne Wallfahrtskirche an, aber wir sind kaum noch aufnahmefähig. Zur Erfrischung genehmigen wir uns ein Bier.
 Dabei wollen wir auch den Eltern eine Karte schicken, denn drei ihrer Söhne mit einer Spring-Prozession zu einem Wallfahrtsort, das macht sich immer gut. Da Peter und ich zu geschafft sind, muß sich der Jüngste für diese "Arbeit" zur Verfügung stellen. Danach erfolgt der Abstieg. 
In Marbach finden wir nach kurzer Suche ein "genehmes Lokal" und speisen vorzüglich. Danach sind wir stehend bzw sitzend KO. PPeter würde am liebsten sofort ins Bett gehen, aber es sind noch keine 20.00 Uhr. So bleiben wir noch etwas sitzen und genießen das wohlige Gefühl der Sättigung und Ruhe. Auf dem anschließenden Heimweg setzen wir uns an die Donau und warten auf Erfrischung, aber selbst der Wind ist warm. Vor lauter "Kühlungsbedürfnis" baden PPeter und ich unsere Füße in der Donau. Nach dem Genuß eines Eises sitzen wir drei, jeder mit einer Bierflasche bewaffnet, auf einem Bootssteg an der Donau und genießen den lauen Sommerabend. .
Gegen 22.00 Uhr gehen wir ins Gasthaus und fallen gleich in Morpheus Arme

Vierter Tag: Marbach - Rohrendorf

Um 6.20 Uhr rappelt bei uns der Wecker. Als wir um 6.50 Uhr reisefertig sind, strahlt der Stern schon unbarmherzig vom Himmel.Das kann ja noch heiter werden.
Jetzt beginnt für uns das Warten auf das Frühstück. Unsere Wirtin hat verschlafen und servierte uns verspätet ein armseeliges Frühstück.
Die 8.00 Uhr - Fähre nach Krummnußbaum hat mangels Passagiere bise 8.07 Uhr auf uns gewartet, so daß wir unverzüglich unsere Fahrt nach Melk über Pöchlarn, dem Geburtsort von Oskar Kokoschka, aufnehmen können.
Natürlich wollten wir das 1089 gegründete Stift Melk besichtigen, als wir um 9.30 Uhr dort ankommen. Leider -Gott sei Dank- beginnt die Führung erst in einer Stunde, so daß uns noch die Möglichkeit bleibt ..... vorher ein Bier zu trinken. 
Das Stift Melk ist nicht nur das größte Kloster Niederösterreichs, sondern auch das bedeutenste sakrale Bauwerk des Barock in Europa. Die Sehenswürdigkeiten sind unbeschreiblich. 
Als wir, fast erschlagen von so viel alter Kunst, durch den Torbogen des Stiftes in die heutige Wirklichkeit zurücktreten wollen, fällt uns ein leerstehender Sockel auf. Sofort sind wir uns darüber einig, daß dies ein zukunftsweisendes Zeichen ist. Nicht nur dem Vergangenen soll unser Interesse gelten; auch für das Kommende sollen wir bereit sein. Ohne lange Überlegungen steht für uns fest, daß dieser Platz nur für unseren Mitbruder Pater Peter bestimmt sein kann. In vorauseilendem Gehorsam stellen wir ihn sofort als "Säulenheiligen" auf.
Die Weiterfahrt um 12.00 Uhr ist nur von kurzer Dauer, denn der Weg zur Donaubrücke hat eine starke Steigung, so daß wir eine ganze Zeit unsere Räder schieben müssen.
Über die Brücke geht es dann nach Emmersdorf und weiter über Aggsbach bis Willendorf. Unterwegs hat sich bei PPeters neuem Rad ein Pedal gelöst. Von der anderen Donauseite grüßt uns die Ruine Aggstein, deren Besuch wir aber aus Zeitgründen ablehnen.
Willendorf ist durch eine 11cm große Kalksteinstatue, der "Venus von Willendorf" weltbekannt geworden. Natürlich müssen wir uns zumindest das Denkmal an der Fundstelle ansehen.
Weiter geht es nach Spitz, wo wir uns ein feudales Mitagessen und den ersten Veltliner leisten. Eine Besichtigung der Pfarrkirche ist natürlich obligatorisch, besondern, da der Chorraum aus der Achse des Langschiffes um 20° abknickt.
In St. Michael bewundern wir die spätgotische Hallenkirche, auf derem Chordach sieben Hasen sitzen, die sich der Sage nach bei hoher Schneelageauf den First geflüchtet hätten, sowie den Karner mit den vielen Totenschädeln und dem Wehrturm
Schon von weitem fällt uns die über dem Ort tronende Wehrkirche mit ihren Rundtürmen und zinnengekrönten Umfassungsmauern von Weißenkirchen auf. Es ist ein malerisches Fleckchen im wahrsten Sinne des Wortes, den überall in dem Ort sitzen Maler und vesuchen diese Schönheiten festzuhalten.. Zur Kirche, die eigentlich aus drei Kapellen "zusammengeflickt" wurde, führt ein gedeckter Stiegenaufgang hinauf. Unter der Kirche ist der berühmte Theisenhofer Hof, der schönste Renaissancehof der Wachau mit dem Wachau-Museum.
Unser nächstes Ziel ist Dürnstein, ein romantisches Städtchen mit zinnen- und turmbewehrten Mauern. In der ehemaligen Kuenringerburg wurde 1192 Richard Löwenherz gefangen gehalten. Sehenswert ist auch die barocke Pfarrkirche mit dem spätromanischen Karner.
In Unterloiben ist es dann so weit. Das, was wir dem Biertrinker Erich vorher für die ganze Fahrt angedroht haben, können wir hier in die Tat umsetzen: Endlich gibt es Heurigen!
Kurze Zeit später erreichen wir Rohrendorf, wo wir bei unseren Familien übernachten.


Fünfter Tag: Rohrendorf - Wien

Nach einem feudalen Frühstück fahren wir um 8.00 Uhr wieder los in Richtung Krems, dort über die Brücke und weiter nach Tulln. Es ist ein mühevoller Anfang. Wir sind alle drei KO und die langweilige Strecke gibt uns den Rest.
Als wir um 9.00 Uhr in Treismauer ankommen, finden wir zum Glück direkt auf unserem Weg an der Donau (Stromkilometer 1988) eine Gaststätte. Da wir unbedingt unsere Lebensgeister erwecken müssen, lassen wir uns von der Wirtin im Freien unser erstes Bier servieren. So gestärkt können wir die Fahrt dann fortsetzen. Unbehütet - was mich betrifft. Habe ich doch auf der letzten Strecke meinen ach so tollen Hut verloren, der mir bisher mein Hirn vor der stechenden Sonne geschützt hat. Aber was soll´s, es muß heute dann eben mal ohne Kopfbedeckung gehen. Einen Sonnenstich werde ich hoffentlich nicht bekommen.
Inzwischen müssen Erich und ich auch feststellen, daß unser lieber PPeter Probleme mit der Kilometerberechnung hat. Nach mehreren unbefriedigenden Versuchen einigt er sich mit sich selbst auf 51 Kilometer zwischen Rohrendorf und Tulln.
Vorbei am Atomkraftwerk erreichen wir Zwentgenddorf, wo wir natürlich Kirche und Rathaus, zumindest von außen, ansehen und dann über Land nach Tulln fahren. Als wir um 11.00 Uhr -viel zu früh- in Tulln eintreffen, sind wir ganze 34 Kilometer und nicht 51 gefahren. Na ja, PPeter hat unser Lästern überlebt.
Den Ausspruch Kaiser Josefs II. :"Tulln ist nichts, hat nichts und wird nichts" können wir beim besten Willen nicht bestätigen. Tulln ist ein sehr schönes Städtchen, das Ansehen lohnt sich. Neben der mittelalterlichen Stadtmauer, den beachtenswerten Bürgerhäusern usw gibt es einen riesigen Erholungspark mit modernen Sportstätten. Für einen Sprung in das Aubad haben wir natürlich keine Zeit. Dafür sehen wir uns aber in der Stadt um und erfreuen uns an der romanischen Pfeilerbasilika aus dem 12.Jahrhundert und dem spätromanischen Kerner.
Um 11.45 lassen wir uns vor dem Rathausstüberl nieder und essen eine Kleinigkeit. Je näher wir unserem Ziel kommen, umso seltsamer wird uns zumute. Wir wissen nicht, sollen wir uns freuen, daß wir es geschafft haben, oder traurig sein, weil diese schöne Zeit so schnell vorrübergegangen ist.
Für die Weiterfahrt nach Klosterneuburg ist eine schöne Strecke vorgegeben; sie führt an tollen Gartenanlagen und Ferienhäusern vorbei. Mehrere intensive Versuche, ein Schwimmbad anzufahren, scheitern an PPeters Sitzfleisch und entschlossenem NEIN.
In Klosterneuburg lassen wir die Räder stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg zum Stift. Der Aufstieg ist beschwerlich. 
Vom Stift begekommen wir auch nicht allzuviel mit, aber nach großen Umwegen erreichen wir den Stiftskeller. 
So ist es dann so weit, daß wir um 14.40 Uhr bei einem kühlen Bier im Stiftsgarten von Klosterneuberg das 1. offizielle Ende unserer Tour feierlich begehen. 
Nach dem 2. Bier und einer kurzen Besichtigung der Kirche mit dem Verduner Altar erfolgt ein schneller Abstieg und dann heißt es: Die letzten Kräfte mobilisieren und "Auf nach Wien". 
Nach kurzer Fahrt durch das Städtchen Klosterneuburg erreichen wir um 15.45 Uhr das Ortschild Wien. 
Vor lauter Begeisterung bremse ich so scharf, daß es fast zu einem Massensturz kommt. Dann folgt natürlich eine große Fotorast.


Wir sind stolz auf uns, weniger wegen der Leistung, sondern viel mehr, weil wir drei Brüder uns aufgemacht haben, etwas gemeinsam zu unternehmen und uns trotz des Altersunterschiedes von 15 Jahren noch näher gekommen sind.                                                                 Johannes Daubner